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Culloden und Clava Cairns

7 days ago
7 min read

Culloden Battlefield – ein Ort, an dem Geschichte plötzlich ganz nah ist


Es gibt Orte in Schottland, an denen man Geschichte nicht nur liest, sondern tatsächlich spürt. Culloden Battlefield gehört für mich ganz eindeutig dazu.


Nur wenige Kilometer östlich von Inverness liegt das weitläufige Gelände von Culloden Moor – ein heute stiller, teilweise fast friedlich wirkender Ort, an dem sich am 16. April 1746 eines der entscheidendsten Ereignisse der schottischen Geschichte abspielte.


Hier fand die letzte große Schlacht des Jakobitenaufstands von 1745 statt. Die Niederlage der Jakobiten beendete den Versuch, die Stuarts wieder auf den britischen Thron zu bringen – und veränderte das Leben im schottischen Hochland nachhaltig.


Heute wird das Schlachtfeld vom National Trust for Scotland betreut.


Ein stilles Schlachtfeld mit bewegter Geschichte


Wenn man heute über das Gelände läuft, ist es zunächst schwer vorstellbar, was hier vor fast 300 Jahren passiert ist.


Das offene Moorland wirkt ruhig. Wege führen durch die Landschaft, und je nach Jahreszeit grasen sogar Highland Cattle auf dem Gelände. Doch zwischen den Gräbern und Gedenksteinen wird schnell deutlich, dass dies kein gewöhnlicher historischer Ort ist.


Am 16. April 1746 standen sich hier die jakobitischen Truppen von Charles Edward Stuart – besser bekannt als Bonnie Prince Charlie – und die Regierungstruppen unter dem Duke of Cumberland gegenüber.


Die Schlacht selbst dauerte weniger als eine Stunde. Für die Jakobiten endete sie in einer verheerenden Niederlage.


Culloden war nicht einfach ein Kampf „Schottland gegen England“. Auf beiden Seiten kämpften Schotten, und auch die politischen und religiösen Hintergründe des Jakobitenaufstands waren wesentlich komplizierter, als es manche romantische Erzählung vermuten lässt.


Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch, bevor man das Schlachtfeld selbst erkundet.


Das Culloden Visitor Centre


Direkt am Schlachtfeld befindet sich das moderne Culloden Visitor Centre des National Trust for Scotland.


Das Museum erzählt die Geschichte nicht nur aus einer Perspektive. Stattdessen werden die Ereignisse sowohl aus Sicht der Jakobiten als auch der Regierungstruppen dargestellt. Originale Gegenstände, Dokumente und interaktive Ausstellungen helfen dabei, die politischen Hintergründe und die Ereignisse rund um die Schlacht besser zu verstehen.


Besonders interessant finde ich, dass Culloden nicht versucht, aus der Geschichte eine einfache Heldengeschichte zu machen.


Denn hinter den bekannten Namen wie Bonnie Prince Charlie, Cumberland oder den verschiedenen Highland-Clans standen echte Menschen, Familien und Schicksale.


Ein besonderes Erlebnis ist das 360-Grad-Battle-Immersion-Theatre. Hier bekommt man ein Gefühl dafür, wie die Schlacht auf dem offenen Gelände ausgesehen haben muss. Das macht anschließend den Rundgang über das tatsächliche Schlachtfeld noch verständlicher.


Vom Museum hinaus aufs Schlachtfeld


Nach dem Besuch des Museums würde ich unbedingt noch Zeit für das Gelände selbst einplanen.


Auf dem Battlefield markieren Fahnen die Positionen der beiden Armeen. Dadurch bekommt man eine Vorstellung davon, wie weit die Truppen voneinander entfernt waren und wie sich die Schlacht über das Gelände entwickelte.


Besonders eindrucksvoll sind die Clan Graves.


Die einfachen Gedenksteine tragen die Namen verschiedener Clans, deren Männer hier gefallen sind. Es ist ein sehr schlichter Teil des Geländes – und gerade deshalb wirkt er so eindringlich.


Im Zentrum steht außerdem der bekannte Memorial Cairn, der bereits seit dem 19. Jahrhundert an die Gefallenen erinnert.


Ich finde, man sollte sich hier ruhig etwas Zeit nehmen und nicht einfach nur von einem Fotopunkt zum nächsten laufen.


Leanach Cottage


Ein weiteres interessantes Gebäude auf dem Gelände ist Leanach Cottage, ein restauriertes Cottage aus dem 18. Jahrhundert.


Es vermittelt einen ganz anderen Eindruck als das moderne Visitor Centre: Hier bekommt man eine Vorstellung davon, wie die Landschaft und die Gebäude rund um Culloden zur Zeit der Schlacht ausgesehen haben könnten.


Zusammen mit dem offenen Gelände ergibt sich so ein viel besseres Bild vom historischen Schauplatz.


Mehr als nur eine Schlacht


Was Culloden so interessant macht, ist eigentlich das, was nach der Schlacht geschah.


Die Niederlage der Jakobiten bedeutete das endgültige Scheitern des letzten großen Jakobitenaufstands. Für die Menschen in den Highlands folgte eine schwierige Zeit, in der die traditionelle Clanstruktur zunehmend unter Druck geriet und viele bisherige Lebensweisen verändert wurden.


Culloden ist deshalb nicht nur die Geschichte eines einzelnen Tages im Jahr 1746.


Es ist auch eine Geschichte über Politik, Macht, Identität, Familien, Loyalität und die tiefgreifenden Veränderungen, die Schottland nach der Schlacht erlebte.


Culloden und die romantische Vorstellung von den Jakobiten


Wer sich durch Filme, Serien oder Bücher für die Jakobiten interessiert, kennt Culloden wahrscheinlich längst.


Gerade deshalb lohnt sich der Besuch.


Das echte Culloden ist wesentlich komplexer als die romantisierte Vorstellung vom heldenhaften Highlander-Aufstand. Das Visitor Centre hilft dabei, die bekannten Geschichten einzuordnen und zwischen später entstandenen Legenden und historischen Fakten zu unterscheiden.


Und wenn man anschließend draußen auf dem tatsächlichen Schlachtfeld steht, bekommen all diese Geschichten plötzlich einen ganz anderen Bezug.


Mein Tipp für den Besuch


Ich würde Culloden nicht als schnellen Zwischenstopp einplanen.


Besucht zuerst das Visitor Centre und nehmt euch Zeit für die Ausstellung. Anschließend würde ich über das Schlachtfeld laufen und die verschiedenen Gedenkstätten und Markierungen ansehen.


Das Gelände ist relativ weitläufig und wirkt gerade dann besonders eindrucksvoll, wenn man sich nicht hetzen lässt.


Wer sich für schottische Geschichte, die Jakobiten oder einfach für die weniger romantische Seite der Highland-Geschichte interessiert, sollte Culloden meiner Meinung nach unbedingt einmal gesehen haben.


Denn am Ende ist es gerade die Stille dieses Ortes, die am meisten hängen bleibt.


Heute ist Culloden ein ruhiger Ort.


Aber wenn man dort steht und auf das weite Moor blickt, ist es kaum zu übersehen, dass hier am 16. April 1746 die Geschichte Schottlands einen entscheidenden Wendepunkt erreicht hat.



Clava Cairns – Schottlands geheimnisvolle Steine bei Culloden


Nur wenige Kilometer von Inverness entfernt liegt ein Ort, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – und bei genauerem Hinsehen eine der faszinierendsten prähistorischen Anlagen Schottlands offenbart: Clava Cairns.


Zwischen Bäumen und Feldern stehen hier gewaltige Steine, kreisförmig angeordnet, dazu mehrere steinerne Grabhügel. Die Anlage ist rund 4.000 Jahre alt und gehört damit in die Bronzezeit. Wer hier zwischen den alten Steinen steht, bekommt einen ganz besonderen Eindruck davon, wie weit die Geschichte Schottlands tatsächlich zurückreicht.


Eine Reise in die Bronzezeit


Clava Cairns entstand vermutlich vor etwa 4.000 Jahren, also lange bevor es die Pikten, die Römer oder die schottischen Könige gab.


Der Name „Cairn“ bezeichnet einen aus Steinen errichteten Hügel. Bei Clava befinden sich mehrere solcher Anlagen, die wahrscheinlich mit Bestattungen und Ritualen verbunden waren.


Besonders beeindruckend sind die sogenannten Passage Graves. Bei ihnen führt ein schmaler Gang in das Innere des steinernen Grabbaus. Die Menschen der Bronzezeit errichteten diese monumentalen Anlagen nicht einfach zufällig: Die Ausrichtung und Anordnung der Steine scheint sorgfältig geplant worden zu sein.


Und genau hier beginnt das Rätsel.



Der Wintersonnenwende auf der Spur


Eine der faszinierendsten Eigenschaften von Clava Cairns ist die astronomische Ausrichtung.


Bei einem der großen Ganggräber ist der Zugang so angelegt, dass die tief stehende Sonne zur Wintersonnenwende in den Gang hinein scheint.


Heute können wir das astronomische Phänomen genau berechnen. Für die Menschen, die die Anlage vor rund 4.000 Jahren errichteten, muss die Beobachtung des Sonnenlaufs jedoch eine ganz andere Bedeutung gehabt haben.


Ob die Sonne eine religiöse oder symbolische Bedeutung hatte, wissen wir nicht sicher. Die Menschen der Bronzezeit hinterließen uns keine schriftlichen Erklärungen. Genau deshalb ist Clava Cairns bis heute Gegenstand archäologischer Forschung und Spekulation.


Die berühmten „Standing Stones“


Neben den Grabhügeln befinden sich bei Clava auch beeindruckende Steinkreise.


Einige der Steine sind mehrere Meter hoch. Besonders interessant ist, dass die Steine innerhalb der Kreise nicht alle gleich groß sind. Ihre Position scheint bewusst gewählt worden zu sein.


Man kann sich gut vorstellen, welche Arbeit notwendig gewesen sein muss, um solche schweren Steine zu bewegen und an ihrem Platz aufzustellen – und das zu einer Zeit, in der es weder moderne Maschinen noch Straßen oder Kräne gab.


Die Anlage zeigt damit nicht nur etwas über die Bestattungskultur der Bronzezeit, sondern auch über die Organisation und Fähigkeiten der Menschen, die sie errichteten.


Sind die Steine wirklich 4.000 Jahre alt?


Ja – zumindest stammen die ursprünglichen Anlagen aus dieser Zeit. Allerdings wurde Clava Cairns im Laufe der Jahrtausende mehrfach verändert.


Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass der Platz über einen langen Zeitraum genutzt wurde. Manche der heutigen Steine und Strukturen sind deshalb nicht unbedingt exakt so angeordnet, wie sie vor 4.000 Jahren aussahen.


Das macht den Ort eigentlich noch spannender: Clava Cairns war kein einmaliger Bau, sondern ein Platz, der über Generationen hinweg Bedeutung hatte.



Was hat Clava Cairns mit Outlander zu tun?


Für viele Besucher ist Clava Cairns heute untrennbar mit der Serie Outlander verbunden.


Die Steine dienten als Inspiration für den fiktiven Steinkreis Craigh na Dun. Allerdings ist Clava Cairns nicht der tatsächliche Steinkreis aus der Serie – und natürlich kann man hier auch nicht durch die Zeit reisen.


Trotzdem ist es leicht nachzuvollziehen, warum Diana Gabaldon und später die Macher der Serie von solchen schottischen Steinkreisen inspiriert wurden. Die Kombination aus gewaltigen Steinen, jahrtausendealter Geschichte und der ungewöhnlichen Anordnung der Anlage besitzt eine ganz eigene Atmosphäre.


Wichtig ist allerdings: Die echten Clava Cairns haben nichts mit der Zeitreisegeschichte aus Outlander zu tun. Ihre tatsächliche Geschichte ist schon faszinierend genug.


Ein Besuch lässt sich wunderbar mit dem Culloden Battlefield verbinden. Beide Orte liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt – und könnten historisch kaum unterschiedlicher sein.


Während Culloden an die berühmte Schlacht von 1746 erinnert, führt Clava Cairns etwa 4.000 Jahre weiter zurück in die Vergangenheit.


Zwischen beiden Orten liegen damit mehr als 3.500 Jahre schottischer Geschichte.


Und genau das macht diese Gegend rund um Inverness so besonders: Innerhalb weniger Kilometer kann man von der Bronzezeit über die Jakobiten bis in die moderne Geschichte reisen.


Clava Cairns ist kein riesiges Monument und kein Ort, an dem man stundenlang verbringen muss. Aber gerade deshalb lohnt sich der Besuch.


Nehmt euch Zeit, zwischen den Steinen entlangzugehen. Schaut euch die unterschiedlichen Cairns und Steinkreise genau an und achtet auf die Ausrichtung der Steine.


Und versucht einmal, für einen Moment nicht an Outlander, Jamie oder Claire zu denken.


Denn bevor Fernsehen, Bücher und Tourismus diesen Ort berühmt machten, stand hier bereits etwas, das Menschen vor rund 4.000 Jahren geschaffen haben.


Vielleicht ist die wahre Magie von Clava Cairns genau das: Wir stehen an einem Ort, der schon lange vor unserer Zeit wichtig war – und dessen vollständige Geschichte wir vermutlich niemals erfahren werden.




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